
Kreuztal. Der Bürgerbus Kreuztal wird noch fahrgastfreundlicher und zukunftsfähiger. Ab dem 5. Januar 2026 stellt der Bürgerbus seinen bisherigen Linienverkehr vollständig auf On-Demand-Verkehr um. Damit ist der Bürgerbus Kreuztal der erste Bürgerbus in der Region Südwestfalen, der dieses System konsequent und vollständig umsetzt.
Der Bürgerbus Kreuztal blickt auf eine 28-jährige Geschichte zurück. Er wurde als 27. Bürgerbus in Nordrhein-Westfalen gegründet – mit dem klaren Ziel, insbesondere Bürgerinnen und Bürger in den Wohngebieten wohnortnah abzuholen und mobil zu halten. Dieses ursprüngliche Leitbild kann nun erstmals umfassend umgesetzt werden. Möglich wird dies durch eine Änderung im Personenbeförderungsgesetz, die bedarfsgerechte Verkehrsformen im öffentlichen Busverkehr erlaubt.
„Wir kehren damit zu unserer ursprünglichen Idee zurück: Mobilität dort anzubieten, wo die Menschen wohnen“, erklärt Achim Walder, der den Bürgerbus Kreuztal seit 28 Jahren als Vorsitzender begleitet. „Das On-Demand-System gibt uns endlich die Möglichkeit, dieses Ziel auch rechtlich sauber und praktisch umzusetzen.“
Achim Walder bringt dabei langjährige Erfahrung aus der Bürgerbusarbeit mit: Er war zudem Vorsitzender der Bürgerbusvereine in Bad Laasphe, Wenden und Netphen und gilt als einer der profiliertesten Kenner des Bürgerbuswesens in der Region.
Bisher bediente der Bürgerbus Kreuztal rund 140 feste Haltestellen mit H-Schild. Künftig kommen 29 zusätzliche virtuelle, haustürnahe BBK-Haltestellen hinzu. Fahrgäste können den Bürgerbus bis zu viermal täglich gezielt zu einer dieser Haltestellen bestellen und dort ein- und aussteigen. Das ist insbesondere für mobilitätseingeschränkte Menschen eine große Erleichterung. Fast die Hälfte der Fahrgäste ist in ihrer Mobilität eingeschränkt, viele sind mit Rollator unterwegs.
„Gerade für ältere Menschen oder Fahrgäste mit Rollator machen wenige hundert Meter einen enormen Unterschied“, so Walder. „Mit den virtuellen Haltestellen wird der Bürgerbus deutlich alltagstauglicher.“
Der On-Demand-Bürgerbus ist keine Konkurrenz zum Taxi. Das Angebot ist bewusst klar begrenzt: Die BBK-Haltestellen werden werktags zwischen 8 und 18 Uhr und maximal viermal täglich angefahren. Zudem sind Fahrten ausschließlich zwischen einer BBK-Haltestelle und dem Marktplatz in Kreuztal möglich – hin und zurück. Individuelle Direktfahrten oder frei wählbare Ziele, wie sie der Taxiverkehr anbietet, sind nicht vorgesehen.
„Wir ergänzen den bestehenden Verkehr, wir ersetzen ihn nicht“, betont Walder. „Der Bürgerbus ist ein soziales Angebot und kein gewerblicher Fahrdienst.“
Um unnötige Leerfahrten zu vermeiden, wurde eine zentrale Buchungstelefonnummer (02732 – 8983999) eingerichtet. Dort nehmen Mitglieder des Bürgerbus Kreuztal die Fahrtbestellungen persönlich entgegen. Die Fahrten werden in Echtzeit auf ein Tablet im Bürgerbus übermittelt. Im Vergleich zum früheren Linienverkehr werden dadurch mehr als 60 Prozent der gefahrenen Kilometer eingespart.
„Früher sind wir alle Haltestellen abgefahren – auch wenn niemand da war“, berichtet ein ehrenamtlicher Fahrer. „Jetzt fahren wir nur noch dann, wenn wir wirklich gebraucht werden.“
Die Umsetzung des Bürgerbus-Systems in Kreuztal war und ist nur durch eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich. Der Bürgerbus Kreuztal bedankt sich ausdrücklich beim Verkehrsunternehmen Westfalen-Süd, bei den politisch Verantwortlichen vor Ort sowie bei der Bezirksregierung Arnsberg, die die Umstellung konstruktiv begleitet und unterstützt haben.
Getragen wird das Angebot von einem starken ehrenamtlichen Engagement. In Kreuztal sind derzeit 20 Fahrerinnen und Fahrer im Einsatz, die täglich bis zu zehn Stunden ehrenamtlich unterwegs sind. Allein im Jahr 2025 wurden rund 6.500 gebuchte Fahrten durchgeführt und etwa 2.500 Einsatzstunden geleistet – bei Wind, Regen und Schnee.
Die neue Betriebsform wird auch über die Stadtgrenzen hinaus aufmerksam verfolgt. In der Region Siegen-Wittgenstein und im Kreis Olpe beobachten andere Bürgerbusvereine die Auswirkungen des On-Demand-Verkehrs sehr genau. Wilnsdorf plant bereits, das System zeitnah ebenfalls einzuführen.
Gleichzeitig wirbt der Bürgerbus Kreuztal um neue ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer.
„Auch wir kommen in die Jahre“, sagt Walder. „Damit der Bürgerbus auch in Zukunft fahren kann, brauchen wir dringend jüngere Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten.“
Mit der vollständigen Umstellung auf On-Demand-Verkehr verbindet der Bürgerbus Kreuztal bürgernahen Service, soziale Verantwortung, ehrenamtliches Engagement und moderne Technik – und setzt ein starkes Zeichen für inklusive, effiziente und zukunftsfähige Mobilität in Südwestfalen.
Weitere Infos bei Achim Walder, Tel.02732-12741, info@buergerbus-kreuztal.de