Mängel im Schienenpersonenverkehr abstellen

Der Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen hielt kürzlich seine Jahreshauptversammlung ab. Die Neuwahl des Vorstands brachte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender, Otto Wunderlich; 2. Vorsitzender, Horst Günter Linde; Kassenwart, Peter Stephan; Beisitzer, Peter Ladda; Kassenprüfer, Lothar Braun und Bernd Julius. Nach der Erledigung der Regularien diskutierten die Mitglieder aktuelle Themen des öffentlichen Personennahverkehrs im südwestfälischen Raum. Ein Schwerpunkt hierbei waren verschiedene Qualitätsmängel im Schienenpersonennahverkehr (SPNV).
Die Übernahme des Nahverkehrs durch Abellio im Dezember letzten Jahres brachte attraktive Fahrzeuge auf die Ruhr-Sieg-Strecke; dafür haben sich die Anschlüsse zur Rothaarbahn in Kreuztal verschlechtert. Mitglieder des Arbeitskreises beobachten immer wieder, wie die Rothaarbahn dort pünktlich abfährt, obwohl der leicht verspätete Zug aus Richtung Hagen gerade ankommt. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Deutsche Bahn an einer kundenfreundlichen Zusammenarbeit mit dem Konkurrenzunternehmen nicht interessiert ist. Unbefriedigend sind weiterhin die langen Übergangszeiten zwischen der Rothaarbahn und dem Regionalexpress Siegen – Frankfurt; bis Dezember 2006 bestanden hier optimale Anschlüsse. Als Rückschritt wird auch der Abbau der stationären Fahrscheinautomaten auf den Haltepunkten der Rothaarbahn gesehen. Die Automaten in den Triebwagen bieten nur ein eingeschränktes Fahrkartensortiment an und sind zudem häufig defekt. „Durch die Besetzung der Züge mit Zugbegleitern könnte ein Kundenservice geboten werden, der diesen Namen auch verdient,“ so der Arbeitskreisvorsitzende Otto Wunderlich, „außerdem ließe sich so Vandalismus vorbeugen und das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste, gerade in den Abendstunden, verbessern.“ Angesichts steigender Benzinpreise und absehbarer Verknappungstendenzen bei Öl und Gas geht der Arbeitskreis davon aus, dass dem Anschluss an das Schienennetz für die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinden in Zukunft wachsende Bedeutung zukommen wird. Deshalb ist hier eine offensive Strategie erforderlich. Diese muss den Ausbau der Schnittstellen zwischen Bus und Bahn – wie in Kreuztal kürzlich realisiert und in Bad Laasphe geplant – ebenso umfassen wie den Neubau von Haltepunkten beispielsweise in Niederlaasphe und Buschhütten. Im Güterverkehr besteht die Möglichkeit, durch den Neubau von Gleisanschlüssen die Straßen zu entlasten und den Unternehmen eine Alternative zum immer teurer werdenden Lkw-Transport zu bieten. „Die Krombacher Brauerei hat mit ihrem geplanten Gleisanschluss offenbar die Zeichen der Zeit erkannt“, so Otto Wunderlich, „wichtig ist, dass auch das interkommunale Gewerbegebiet in Schameder ans Schienennetz angebunden wird.“ Der Arbeitskreis hält es für sinnvoll, neben den Gleisanschlüssen für anzusiedelnde Industriebetriebe, hier eine zentrale Umschlagmöglichkeit Bahn/Lkw für Betriebe im Raum Wittgenstein, die nicht über einen Bahnanschluss verfügen, zu schaffen. Darüber hinaus sollte das Holzladegleis im Bahnhof Erndtebrück verlängert werden, um die Verladekapazität zu erweitern. Insgesamt sieht der Arbeitskreis noch erhebliche Entwicklungspotenziale im Schienenverkehr, deren konsequente Nutzung den Wirtschaftsstandort Wittgenstein nachhaltig stärken kann.

In Bahnübergänge investieren

Im Mittelpunkt der letzten Mitgliederversammlung des Arbeitskreises Schienenverkehr Südwestfalen standen die bereits durchgeführten bzw. geplanten Maßnahmen zur Modernisierung der Bahnsteige auf zahlreichen Bahnhöfen im Kreis Siegen-Wittgenstein. Besonders erfreut ist der Arbeitskreis über den in diesem Jahr anstehenden Umbau des Bahnsteigs in Bad Berleburg, wo ein Kombibahnsteig zur gemeinsamen Nutzung durch Bus-und Bahn entstehen soll. In 2015 ist schließlich die Modernisierung des Bahnhofs Erndtebrück vorgesehen. Hier sieht der Arbeitskreis die Notwendigkeit, den Bahnsteig 2 wieder mit einer Überdachung zu versehen. „Der Abriss des Bahnsteigdaches und der ersatzweise Aufbau eines sog. „DB-Pluspunktes“ hat sich nicht bewährt, da ein wettergeschütztes Umsteigen zwischen den Zügen der Oberen Lahntalbahn und der Rothaarbahn seitdem nicht mehr möglich ist,“ so der Arbeitskreisvorsitzende Otto Wunderlich, „bei großem Fahrgastandrang reicht zudem der Platz im Pluspunkt nicht aus, so dass Fahrgäste bei Regen die Ankunft der Rothaarbahn im zugigen Treppenaufgang abwarten müssen.“ Dass die Deutsche Bahn dazugelernt hat, zeigt die Modernisierung der Bahnsteige in Kreuztal, Weidenau und Grevenbrück, wo die Bahnsteigdächer erhalten geblieben sind. Der Arbeitskreis weist darauf hin, dass über die punktuellen Bahnsteigmaßnahmen hinaus ein Ausbau der Infrastruktur auf der Gesamtstrecke erforderlich ist. Während die Straßenverbindung zwischen Bad Berleburg und Siegen außerhalb der Ortschaften überwiegend mit 80 – 100 Km/h befahren werden kann, ist die Höchstgeschwindigkeit der Rothaarbahn auf maximal 60 Km/h beschränkt. Darüber hinaus ist die Geschwindigkeit an über 20 Bahnübergängen noch weiter herabgesetzt; in den meisten Fällen darf dort nur Tempo 20 gefahren werden. Aus der mangelhaften Infrastruktur resultiert eine Fahrzeit von 90 Minuten für die Gesamtstrecke, was einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 40 Km/h entspricht. Besonders unattraktiv ist die erste Verbindung ins Siegerland. Hier geht es in Bad Berleburg um 4.53 Uhr mit einem Bus der Linie R 29 los. Erndtebrück wird um 5.42 Uhr erreicht. Ab hier fährt um 5.51 Uhr die Rothaarbahn weiter, Ankunft in Siegen um 6.49 Uhr nach  einer Gesamtfahrzeit von beinahe 2 Stunden. Um dem Qualitätsniveau der Straßenverbindung näher zu kommen, sollte die Strecke nach Auffassung des Arbeitskreises für Tempo 80 ausgebaut werden und eine technische Sicherung der Bahnübergänge erfolgen. Dadurch ließe sich die Fahrzeit um ca. 15 – 20 Minuten reduzieren. Die frühe Umsteigeverbindung nach Siegen könnte durch Umstellung auf einen durchgehenden Zug deutlich attraktiver gestaltet werden. Dann läge die Abfahrtszeit in Bad Berleburg eine halbe Stunde später und der größte Mangel des derzeitigen Fahrplans wäre damit beseitigt.

Mittelkürzung ausgleichen ? Bahnlinien ausbauen

Unter Hinweis auf gekürzte Bundesmittel für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) hat NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke kürzlich alle Projekte zum Ausbau regionaler Bahnlinien in Nordrhein-Westfalen gestoppt. Davon betroffen ist auch die Teilstrecke Erndtebrück – Niederlaasphe der Verbindung Siegen – Bad Laasphe – Marburg. Der Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen weist darauf hin, dass im Rahmen des Begleitgesetzes zum Bundeshaushalt 2006 zwar die Finanzmittel, die den Ländern zweckgebunden für den SPNV zur Verfügung gestellt werden, im Zeitraum 2006 – 2009 um 2,3 Mrd. EUR reduziert werden, andererseits den Ländern aber aus dem ab 2007 erhöhten Umsatzsteueraufkommen zusätzliche Gelder zufließen, die ein mehrfaches der gekürzten Regionalisierungsmittel ausmachen. Insoweit besteht kein Grund, den Ausbau von Bahnlinien aus finanziellen Gründen auszusetzen. Positiv zu werten ist hier die Vereinbarung zum Ausgleich der Mittelkürzung, die das Nachbarland Hessen mit den dortigen Verkehrsverbünden getroffen hat. Diese ermöglicht es, das Streckennetz im bisherigen Umfang beizubehalten und wichtige Infrastrukturmaßnahmen wie die Reaktivierung der Strecke Frankenberg – Korbach planmäßig umzusetzen. Der Arbeitskreis sieht deshalb das Land Nordrhein-Westfalen in der Pflicht, neben den Straßen auch die Bahnstrecken in Wittgenstein auf einen zeitgemäßen Standard zu bringen. „Im hessischen Teil der Oberen Lahntalbahn wurde die zulässige Geschwindigkeit auf mehreren Abschnitten auf 70 bzw. 80 Km/h erhöht“, so der Arbeitskreisvorsitzende Otto Wunderlich, „zwischen Bad Laasphe und Erndtebrück wird dagegen höchstens mit 50 Km/h gefahren, da zahlreiche ungesicherte Bahnübergänge eine schnellere Fahrt nicht zulassen.“ Für den Arbeitskreis ist es vordringlich, einige der Bahnübergänge zwischen Feudingen und Saßmannshausen zu schließen bzw. mit Ampeln oder Schranken zu sichern. Dadurch ließe sich die Fahrzeit verkürzen, so dass die knappe Übergangszeit zur Rothaarbahn in Erndtebrück verlängert und auch zusätzliche Haltepunkte in Niederlaasphe und in Laasphe am Kurpark bedient werden könnten.

Erweitertes Bahnangebot nutzen

Während der Festwoche zur 750-Jahrfeier stehen in Erndtebrück Parkplätze in größerer Zahl nur in Ortsrandlage zur Verfügung. Der Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen empfiehlt daher, zu den zahlreichen Veranstaltungen mit der Bahn anzureisen. Dies hat den Vorteil, dass vom zentral gelegenen Bahnhof alle Veranstaltungen mit einem kurzen Fußweg zu erreichen sind. Außerdem werden die Züge an bestimmten Tagen auf Bestellung durch den Zweckverband Personennahverkehr Westfalen-Süd häufiger verkehren. Die Rothaarbahn fährt am 20. Mai stündlich nach dem normalen Samstagsfahrplan. Am Sonntag, 21. Mai, wird der sonntägliche 2-Stundentakt der Rothaarbahn zwischen Erndtebrück und Bad Berleburg zum 1-Stundentakt verdichtet. Dabei fährt der erste Zug ab Bad Berleburg um 9.29 Uhr, der letzte Zug ab Erndtebrück um 19.58 Uhr. Am Sonntag, 28. Mai, wird die Rothaarbahn auf ganzer Länge stündlich befahren. Der erste Zug startet um 8.56 Uhr in Siegen bzw. um 9.29 Uhr in Bad Berleburg. Die letzte Rückfahrmöglichkeit ins Siegerland bzw. nach Bad Berleburg besteht um 19.58 Uhr ab Erndtebrück. Die Obere Lahntalbahn verkehrt an allen Tagen zweistündlich. Am 28. Mai fährt hier zusätzlich ein Zug um 12.34 Uhr ab Bad Laasphe. Ankunft in Erndtebrück ist um 13.15 Uhr – passend zum Beginn des großen Festumzuges. Für eine preiswerte Bahnfahrt empfiehlt der Arbeitskreis die Nutzung der Tageskarte „Maxi“, die für bis zu 5 gemeinsam reisende Personen gilt; zwei gemeinsam reisende Personen fahren günstig mit der 4er-Karte der Verkehrsgemeinschaft Westfalen-Süd. Am 20., 21. und 28. Mai fährt zusätzlich zwischen Siegen und Erndtebrück ein Dampf-Sonderzug sowie zwischen Gießen/Marburg und Erndtebrück ein historischer Schienenbus. Für diese Fahrten gelten Sonderpreise.

Rundfahrt durch drei Bundesländer mit dem Arbeitskreis Schienenverkehr

Eine Rundfahrt durch drei Bundesländer unternahm kürzlich der Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen. Von Erndtebrück führte die Fahrt zunächst mit der Rothaarbahn nach Siegen, von wo es mit dem Regionalexpress Siegen – Aachen weiterging. Ab Betzdorf wurde mit einem modernen Triebwagen der Westerwaldbahn die Daadetalbahn nach Daaden befahren. Diese Strecke war in den 80er Jahren akut von der Stilllegung bedroht. Nach Übernahme durch die Westerwaldbahn des Kreises Altenkirchen wurde die Strecke zu einer modernen Regionalbahn ausgebaut. Höhere Bahnsteige ermöglichen seitdem ein bequemes Ein- und Aussteigen an allen Stationen; in Biersdorf wurde ein neuer zentraler Haltepunkt errichtet. Zurück in Betzdorf wartete bereits der Triebwagen der Hellertalbahn. Mit zügigen 80 Km/h wurde die früher zweigleisige Strecke nach Haiger befahren. Zahlreiche Gleisanschlüsse weisen darauf hin, dass die Bahn für etliche Industriebetriebe in Neunkirchen, Burbach, Würgendorf und Holzhausen ein wichtiges Transportmittel ist. Die Bedienung erfolgt hier vom Knotenbahnhof Kreuztal aus durch die Kreisbahn Siegen-Wittgenstein. Von Haiger aus führte die weitere Fahrt über Dillenburg und Gießen nach Marburg. Hier besteht regelmäßig ein guter Anschluss zwischen dem Regionalexpress von und nach Frankfurt und den Zügen der Oberen Lahntalbahn. So ist z. B. von Erndtebrück aus Frankfurt in 2 1/2 Stunden zu erreichen; ab Bad Laasphe dauert die Fahrt nur 2 Stunden. Demgegenüber bestehen seit dem letzten Fahrplanwechsel im Dezember über Siegen keine brauchbaren Zugverbindungen zwischen Wittgenstein und dem Raum Frankfurt mehr. Die letzte Reiseetappe führte schließlich mit dem Triebwagen der Kurhessenbahn über die Obere Lahntalbahn zurück nach Erndtebrück. Hier fallen die umfangreichen Investitionen ins Auge, die die Kurhessenbahn in den letzten Jahren getätigt hat. Auf den meisten Stationen wurden die Bahnsteige neu gebaut oder modernisiert; die Bahnsteige in Biedenkopf und Buchenau sind z. Z. in Arbeit. In Biedenkopf entstand ein neuer Haltepunkt, der von den Schülern des benachbarten Schulzentrums rege frequentiert wird. Zudem wurden die Gleisanlagen weitgehend erneuert und auf mehreren Abschnitten die Streckengeschwindigkeit auf 80 Km/h heraufgesetzt. „Es ist beachtlich, was hier von der Kurhessenbahn bisher geleistet wurde“, so der Vorsitzende des Arbeitskreises, Otto Wunderlich. „Nun ist es wichtig, dass der Zugverkehr auf vertraglicher Grundlage für einen llängeren Zeitraum auf der Gesamtstrecke fest bestellt wird, so dass für weitere Ausbaumaßnahmen Planungssicherheit gegeben ist.“ Im Vordergrund steht hier für den Arbeitskreis neben einem neuen Haltepunkt in Niederlaasphe, der Bau eines weiteren Bahnsteigs am Kurpark. Dieser würde näher zum Stadtzentrum liegen als der Bahnhof und den Bereich Gennernbach mit seinen Schulstandorten und dem Schwimmbad gut an den Schienenverkehr anbinden.

Bahnhaltepunkt Womelsdorf reaktivieren

Mit Unverständnis hat der Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen die aktuellen Vorgänge bezüglich der Reaktivierung des 1994 geschlossenen Bahnhaltepunkts in Womelsdorf zur Kenntnis genommen. Ende letzten Jahres hatte der Zweckverband Personennahverkehr Westfalen Süd (ZWS) bereits signalisiert, dass die Wiederinbetriebnahme frühestens in vier Jahren möglich sei. Zwischenzeitlich wurde der Nahverkehrsplan 2005, der für das Kreisgebiet die mittelfristig angestrebte Weiterentwicklung des Schienenpersonennahverkehrs beschreibt, von der Zweckverbandsversammlung beschlossen. Entgegen dem Antrag der Gemeinde Erndtebrück wurde der Haltepunkt Womelsdorf darin nicht berücksichtigt. Nach Auffassung des Arbeitskreises ist der Haltepunkt notwendig, um für die Womelsdorfer Bevölkerung eine annehmbare ÖPNV-Verbindung nach Aue, Wingeshausen und Berghausen zu schaffen. Diese benachbarten Orte sind im Linienverkehr derzeit nur mit einem großen Umweg über Birkefehl/Weidenhausen und Umsteigen in Raumland zu erreichen. Deshalb dauert eine Fahrt von Womelsdorf nach Aue (direkte Entfernung ca. 8 Kilometer) rd. 50 Minuten. Alternativ besteht Montag bis Freitag zweistündlich die Möglichkeit, mit dem Taxibus nach Erndtebrück und von dort mit dem Zug wieder an Womelsdorf vorbei nach Aue zu gelangen. Die Fahrzeit beträgt hier 25 Minuten, mit dem Zug würde die Fahrt nur 10 Minuten dauern. „Auf der Rothaarbahn besteht in Wittgenstein mit 28 Zügen an Werktagen und 12 Zügen an Sonntagen mittlerweile ein gutes Angebot“, so der Arbeitskreis-Vorsitzende Otto Wunderlich, „nicht akzeptabel ist aber, dass die Womelsdorfer von der Nutzung ausgeschlossen bleiben sollen, weil die Reaktivierung des Haltepunkts auf die lange Bank geschoben wird.“ Vorbildlich findet der Arbeitskreis die Bereitschaft der Dorfgemeinschaft, sich für den Haltepunkt tatkräftig zu engagieren. Denkbar wäre, den Bau eines Wetterschutzhäuschens sowie die Pflege des Bahnsteigs zu übernehmen, wie Ortsvorsteher Günter Bürger kürzlich mitteilte. Vor diesem Hintergrund erwartet der Arbeitskreis, dass der ZWS das Anliegen der Womelsdorfer unterstützt, damit hier wie in Raumland (Haltepunkt 1997 reaktiviert) bald wieder die Züge halten.

Bahn für den Holztransport nutzen

Ersten Schätzungen zufolge liegen nach dem Orkan „Kyrill“ mehr als 2 Millionen Festmeter Windwurfholz in den Siegerländer und Wittgensteiner Wäldern. Um den Transport dieser gewaltigen Holzmengen zur Weiterverarbeitung zu erleichtern, soll das zulässige Gesamtgewicht der Holz-Lkw auf 46 Tonnen erhöht und das Lkw-Fahrverbot an Wochenenden aufgehoben werden. Dies bedeutet, dass in den nächsten Jahren tausende Schwerlasttransporte zusätzlich auf den heimischen Straßen unterwegs sein werden. Daraus resultiert eine erhebliche Belastung der Bevölkerung durch Lärm und Abgase und eine starke Abnutzung der Straßen. Der Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen schlägt deshalb vor, den Holztransport aus der Region heraus so weit wie möglich mit der Bahn abzuwickeln. „Hierfür ist der Bahnhof Raumland-Markhausen ideal“, so Otto Wunderlich, Vorsitzender des Arbeitskreises. „In Raumland liegt ein Ladegleis, dass kurzfristig wieder befahrbar gemacht werden kann. Mit einer Nutzlänge von fast 500 Meter kann es mehr als 20 Waggons aufnehmen. Da ein Waggon mehr als 50 Tonnen Holz laden kann, können mit einem Zug über 1.000 Tonnen abgefahren werden. Ein Zug erspart der Bevölkerung und dem Straßennetz damit mehr als 40 Lkw-Transporte und ebenso viele Leerfahrten. Der Entlastungseffekt der Bahn ist somit enorm.“ Die Transporte können nach Auffassung des Arbeitskreises von der Kreisbahn Siegen-Wittgenstein durchgeführt werden. Die Kreisbahn bedient werktäglich den Bahnhof Erndtebrück, der ein Frachtaufkommen von rd. 100.000 Tonnen pro Jahr aufweist. Mit den zusätzlichen Holztransporten ab Raumland könnte das Unternehmen sich ein neues profitables Geschäftsfeld erschließen.

Dreiländerbahn elektrisch fahren

Im Mittelpunkt der letzten Mitgliederversammlung des Arbeitskreises Schienenverkehr Südwestfalen stand die Übernahme des Nahverkehrs auf der Ruhr-Sieg-Strecke durch das Verkehrsunternehmen Abelio zum nächsten Fahrplanwechsel. Ab Dezember wird Abelio mit modernen Elektrotriebzügen die Strecke Siegen – Hagen – Essen befahren. Dadurch werden hier die Elektrotriebzüge der Baureihe 425 der Deutschen Bahn entbehrlich. Der Arbeitskreis Schienenverkehr regt an, diese Züge auf die Dreiländerbahn Dillenburg – Siegen – Au umzusetzen, wo der Nahverkehr derzeit mit Dieseltriebwagen durchgeführt wird. „Es macht betriebswirtschaftlich keinen Sinn, Dieseltriebwagen unter Fahrdraht einzusetzen und mit bis zu drei zusammengekuppelten Fahrzeugen jede Menge teuren Kraftstoff zu verbrennen“, so der Arbeitskreisvorsitzende Otto Wunderlich, „durch den Einsatz von Elektrotriebzügen lassen sich vermutlich hohe Kosteneinsparungen realisieren. Das soll der Zweckverband Personennahverkehr Westfalen-Süd einmal nachrechnen.“ Die Dreiländerbahntriebwagen der Baureihe 648 könnten dann auf der Rothaarbahn fahren. Mit dem Einsatz dieses beschleunigungsstarken Fahrzeugs wäre eine wesentliche Voraussetzung für eine deutliche Fahrzeitverkürzung und einen wirtschaftlicheren Betrieb erfüllt. Der Arbeitskreis verweist auf das Gutachten, das im Auftrag des ZWS dazu im letzten Jahr erstellt wurde. Darin wird aufgezeigt, dass durch den Einsatz des Vt 648 in Verbindung mit einer Beseitigung der Langsamfahrstellen an Bahnübergängen und einer Anhebung der Geschwindigkeit auf 80 Km/h die Fahrzeit zwischen Siegen und Bad Berleburg um rd. 20 Minuten verringert werden kann, so dass für den 1-Stundentakt auf der Strecke nur noch 3 statt 4 Fahrzeugumläufe benötigt werden. „Dies würde die Attraktivität der Strecke bei optimierten Betriebskosten enorm erhöhen,“ so Otto Wunderlich,“ die Rothaarbahn könnte so in eine gesicherte Zukunft fahren.“

Bahn investiert in die Rothaarbahn

Beim Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen e. V. war kürzlich der Leiter des DB-Regionalnetzes „Bergisch-Märkisches Land“, Dieter Finger, zu Gast. Herr Finger erläuterte, dass die Deutsche Bahn AG im Rahmen ihrer Mittelstandsoffensive bundesweit 33 Regionalnetze eingerichtet habe. Damit werde die Verantwortung für Planung, Instandhaltung und Betrieb der Schieneninfrastruktur (Gleisanlagen, Signaltechnik, Brücken, Tunnel) effizient vor Ort wahrgenommen. Das Regionalnetz Bergisch-Märkisches Land umfasse einen Großteil der Bahnlinien in Südwestfalen. Dazu gehöre auch die Rothaarbahn Kreuztal – Erndtebrück – Bad Berleburg. Hier habe die DB in den vergangenen Jahren in großem Umfang Gleisanlagen erneuert. Aktuell stehe die Sicherung der zahlreichen Einschnitte im Verlauf der Bahntrasse auf dem Programm. Die DB sei stets für Anregungen aus der Region zur Optimierung der Infrastruktur offen. Zu denken wäre hier etwa an die Schließung oder technische Sicherung von Bahnübergängen. So könne die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer weiter erhöht und der Bahnverkehr beschleunigt werden.

Pressemeinung zum DGB-Verkehrsforum – Straßenausbau für mehr Verkehrssicherheit

Mit Interesse hat der Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen die Vorschläge zur Optimierung der Verkehrsanbindung des Wittgensteiner Raumes, die kürzlich auf dem Verkehrsforum des DGB in Erndtebrück. diskutiert wurden, zur Kenntnis genommen. Die Veranstaltung brachte die Erkenntnis, dass mit einer Realisierung der insgesamt rd. 150 Mio. EUR teuren Ortsumgehungen im Korridor der Bundesstraßen 62 und 508 erst in 15 – 20 Jahren zu rechnen ist. Angesichts der großen finanziellen Probleme der öffentlichen Haushalte stellt sich für den Arbeitskreis die Frage, ob derart teure Neubauten mit ihren Folgekosten überhaupt finanzierbar sind. Zudem erfordert die vergleichsweise geringe Auslastung der bestehenden Straßen keine zusätzlichen Verkehrswege. So sind ausweislich der Verkehrsstärkenkarte des Landesbetriebs Straßen NRW auf der B 62 im Abschnitt Lützel – Erndtebrück gerade einmal rd. 7.000 Fahrzeuge pro Tag unterwegs. Die Auslastung der Straßenabschnitte zwischen dem Knotenpunkt Kronprinzeneiche Richtung Netphen bzw. Hilchenbach liegt jeweils bei ca. 3.500 Fahrzeugen pro Tag. Der Arbeitskreis hält es deshalb für sinnvoller, die knappen Straßenbaumittel vorrangig in die Sanierung und den Ausbau des vorhandenen Straßennetzes zu investieren. „Dies sollte vor allem unter dem Aspekt einer Erhöhung der Verkehrssicherheit geschehen“, so der Arbeitskreisvorsitzende Otto Wunderlich. Die vom Landesbetrieb Straßen angekündigte Beseitigung der beiden Bahnübergänge in Saßmannshausen durch eine Verlegung der B 62 wird deshalb befürwortet. Besonders dringlich ist nach Auffassung des Arbeitskreises die Beseitigung des unfallträchtigen Bahnübergangs bei Altenteich, wo auch in diesem Winter wieder mehrere Lkw verunglückt sind. Der öffentliche Personennahverkehr spielte auf dem Verkehrsforum leider keine Rolle. Dabei verfügen zahlreiche Haushalte nicht über einen Pkw und sind deshalb auf gute Verbindungen mit Bus und Bahn angewiesen. Von einem attraktiven ÖPNV profitieren auch der Tourismus und das Wittgensteiner Kurwesen. Deshalb ist es erforderlich, auch die Schienenstrecken von Wittgenstein nach Siegen und Marburg auszubauen. Der Arbeitskreis begrüßt daher, dass der DGB auch dieses Thema aufgreifen und zum ÖPNV noch ein besonderes Forum durchführen wird.